Preseberichte!!
Fördeschnack Joachim Pohl 30.05.09 (Flensburger Tageblatt) Neustadt - Helden
Wenn Flensburg im Fernsehen ist, dann ermittelt meist ein kleiner Terrier im kriminellen Milieu, oder man sieht ganz viel Hafen, Kaufmannshöfe und Segelschiffe, und das Ganze natürlich unter blauem Himmel mit weißen Schäfchenwolken. In dieser Woche konnte man im Dritten ein ganz anderes Flensburg erleben. Eine Seite der Stadt, die vermutlich auch ganz viele Flensburger gar nicht kennen. Heike Götz, die man seit Jahren als radelnde Moderatorin zwischen Glasbläsereien, ländlichen Restaurants und kulinarischen Kuriositäten kennt, hat sich in die Neustadt begeben, wohin sich sonst eher selten ein Kamerateam verirrt. Hier hat sie eine ganze Woche den Alltag im Jugendtreff AAK verfolgt, sah sich von lauter türkischen Jungs umringt, hat Naschis verkauft, aber auch vor laufender Kamera pädagogische Gespräche mit einem Schulabbrecher geführt und ist mit den Jugendlichen zur Cebit nach Hannover gefahren. Man sah regennassen Asphalt, grauen Himmel und ein bisschen von der Walzenmühle. Und man lernte einen Flensburger kennen, der eher selten in den Schlagzeilen steht, weil seine Arbeit unspektakulär ist, dafür aber von unschätzbarem Wert. Kai Schröder, der Leiter des Jugendtreffs, ist seit Jahrzehnten der ruhende Pol in dem Gewimmel von Kindern und Jugendlichen, ist Kumpel und Vaterfigur, öffnet Horizonte und setzt Grenzen für die Besucher des AAK. Roter Faden des Films war die Einrichtung eines Fitness - Raums im Jugendzentrum, da die AAK - Klientel natürlich kein Geld für ein Abo im FöFi hat. Und da Heike Götz nicht nur zuguckt, sondern gern auch mitmacht, setzte sie sich ans Telefon und ging auf Betteltour. "Die Jungs hätten gern ein Laufband", hatte Kai Schröder angedeutet. Klar - am letzten Tag ihres Besuches fuhr ein Lieferwagen vor, und die Jungs trugen voller Stolz ein Laufband in ihr Mini - Fitness - Studio. Wer es gestiftet hatte, ließ sie offen - vielleicht sie selbst?
Eine für alle - und der NDR dabei Neun Tage lang drehte der NDR mit der Moderatorin Heike Götz für eine Dokumentation in der Fördestadt. Im Mittelpunkt stand dabei eine junge Flensburgerin mit ganz viel Herz. Flensburg / sh:z
- Ausnahmezustand im Jugendzentrum der Projektgruppe Ausländische Arbeiterkinder e.V. (AAK) in Flensburg - Neustadt! Als Heike Götz, bekannt aus der Serie "Landpartie", vollbepackt mit einer großen Tüte Obst vor laufenden Kameras den Gemeinschaftsraum des Jugendzentrums betritt, sind sofort alle in heller Aufregung. Leiter Kai Schröder hatte den Jugendlichen schon Wochen vorher eingetrichtert, sich "bloß zu benehmen", wenn das Kamerateam des NDR kommt.
Doch als Heike Götz die Tüten abstellt, geht es plötzlich nur noch drunter und drüber. Äpfel werden gewaschen, Bananen und Orangen geschält. Jeder der Jugendlichen will helfen, und so schnippelt und werkelt jeder eifrig mit. Nur eine bleibt bei all dem Trubel ganz cool: Yvonne Gindler. Mit ihren 17 Jahren ist sie kaum älter als die Mehrzahl der Jugendlichen in der Einrichtung. Doch Yvonne spielt eine ganz besondere Rolle in der TV - Dokumentation, denn sie ist seit sechs Jahren im AAK tätig - als einzige ehrenamtliche Helferin.
Heike Götz und das Team haben ihr gut eine Woche lang bei der Arbeit über die Schulter gesehen, denn ehrenamtliches Engagement ist auch das Thema der späteren Sendung. Dabei nahmen sie an allen Aktivitäten teil, mit denen sich die Jugendlichen jeden Tag im Verein die Zeit vertreiben: Computerspiele, Fußball, Kickern, Crêpe backen - selbst am Freitag, dem wöchentlichen "Mädchentag", durften die NDR - Mitarbeiter bei allem dabei sein.
Abends saßen die Mitglieder der Projektgruppe oft mit den NDRlern zusammen und plauderten über alle möglichen Themen. Für Yvonne ist das ganz normal, denn sie kommt so oft sie kann ins Jugendzentrum. "Ich will einfach helfen", sagt sie.
Im Nu füllt sich eine riesige Schüssel mit Obstsalat. "Wir würden den Kids gern öfter kostenlos Obst zur Verfügung stellen", sagt Schröder, "aber dafür fehlt das Geld." Daher werden derzeit Sponsoren gesucht, die einmal in der Woche für Vitamin - Nachschub sorgen. Der 13-jährige Mohammed Sawalme ist ganz angetan von dem neuen Apfelspalter, den die Moderatorin mitgebracht hat. Sofort schnappt er sich das Gerät und verteilt die Apfelstücke großzügig unter allen Anwesenden. Den Obstsalat mit den Jugendlichen herzustellen, war Heike Götz' Idee. "Im hauseigenen Kiosk gibt es ja nur Süßkram", sagt sie.
Ihr haben die Drehtage im Jugendzentrum viel Spaß gemacht. Rückblickend erzählt sie: "Wir waren gespannt, was uns hier erwartet, und wurden positiv überrascht. Das Jugendzentrum ist sehr schön und freundlich, die Zusammenarbeit mit den Jugendlichen hat gut funktioniert. Schon am zweiten Tag hatten wir uns aneinander gewöhnt." Nach Abschluss des Drehs fuhren alle als Gruppe zur Cebit nach Hannover.
Die Eindrücke der gemeinsamen Woche sollen in einer 45-minütigen Dokumentation als Teil einer drei Folgen umfassenden Sendereihe im NDR - Fernsehen gezeigt werden. Der endgültige Name der Produktion steht noch nicht fest. Gesendet wird noch im Mai dieses Jahres; der genaue Termin wird dann unter www.aak - fl.de bekannt gegeben.
DARIA THOMASSEN
Frische Farbe für die Neustadt
6. Februar 2009 | 04:30 Uhr | Von Florian Schwark
Oberstufen-Projektwoche einmal anders: Vier Schülerinnen der Fridtjof-Nansen-Schule renovieren zusammen mit ausländischen Kindern den Fitnessraum des AAK in der Neustadt.
Zwölfklässlerinnen mit Unterstützern: Hinten von links: Ahmed Soltani, Shahin Saber-Ahmad, Ann-Christin Roos. Vorne von links: Fanny Bethge, Leonie Märtens, Jaqueline Hauseur Foto: Schwark
Jaqueline Hauseur geht durch einen langen dunklen Flur des AAK (Ausländische Arbeiterkinder e.V. ) an der Neustadt 12 und zeigt einen Raum, der halb gestrichen ist. "Wir wollten etwas machen, etwas, das nicht sofort wieder in die Tonne getreten wird", sagt die Zwölftklässlerin ehrgeizig. Kaum etwas deutet noch darauf hin, dass hier mal ein Fitnessraum existiert hat. Jaqueline hat es sich mit ihren Freundinnen Ann-Christin Roos, Fanny Bethge und Leonie Märtens in der Projektwoche der Fridtjof-Nansen-Schule (früher IGS) zur Aufgabe gemacht, diesen Raum wiederherzurichten.
Sie haben sich selbst um Sponsoren gekümmert, die ihnen Geld spendeten, um neue Pinsel und Farbtöpfe zu finanzieren. Besonders kooperativ zeigten sich die Nord-Ostsee-Sparkasse mit 200 und das Bauhaus Flensburg mit 100 Euro.
Innerhalb von drei Tagen sollen die Renovierungsarbeiten erledigt sein, bei denen ihnen aber auch Kinder, die sich häufig im AAK aufhalten, helfen.
Das AAK ist ein freier, politisch ungebundener Verein, der sich seit den 70er Jahren um die sozialpädagogische Betreuung von ausländischen und deutschen Kindern kümmert, um deren soziale Lage zu verbessern. Aber auch für Jugendliche und Erwachsene ist das Stadtteilzentrum, in dem sich das AAK befindet, ein "Haus der offenen Tür". Das Projekt ist deshalb auch über die Grenzen der Neustadt bekannt.
Bei dem Projekt der vier Mädchen gehe es eigentlich vor allem um Gewaltprävention. "Kräfte sollen in positive Energie umgewandelt werden, und nicht zu gemeingefährlicher Gewalt führen", erzählt Leonie. "Außerdem geht es ja auch um Jugendliche in unserem Alter. Gerade das sollte doch für uns ein triftiger Grund sein, um uns zu engagieren". Das einstige dunkle, melancholisch wirkende Grau an den Wänden des Fitnessraums weicht nun einem hoffnungsvollen Grün sowie einem lebensfrohen Blau, von den Kindern des AAK selbst ausgesucht. Gestern Abend wollten die Schülerinnen mit dem Renovieren fertig sein - und auf jeden Fall hinterher sagen können, dass sie "etwas geschaffen haben".
Harrisleer Straße: Anwohner feiern
9. Mai 2009 | Von wb
Nach dem Umbau hat Zweiter Bürgermeister Jochen Barckmann die neue Harrisleer Straße gestern ihrer Bestimmung übergeben. Anwohner und viele in der Neu- und Nordstadt aktive Organisationen feierten am Nachmittag. Ein helles Pflaster umrahmt die neue Straße, helle Fassaden sind zu sehen und die neuen Leuchten werden abends die Umgebung positiv aufhellen.
Viele Bewohner äußerten sich positiv: Fatma Örs wohnt seit zehn Jahren an der Harrisleer Straße und ist über das neue Image der Straße begeistert. Erwin Arrins ist froh über die Ruhe in der Neustadt und die vielen Bekannten, die er hier dennoch trifft. Mit griechischer Musik, türkischen Spezialitäten, Spielangeboten von ADS-Ramsharde und Speicher, mit dem Jugendzentrum AAK , der Kita Soli, dem Kinderschutzbund, dem Verein Schutzengel und vielen anderen ging das bunte Einweihungsfest über die Bühne.
Hilfe geht durch den Magen Mit einem Kochbuch voller orientalischer Rezepte helfen Freunde des Jugendzentrums AAK den türkischen Waisen Zehra, Ibrahim und Efile. Flensburg/ wal -
Am Ende staubiger Straßen, am Eingang des Bergdorfs Mahzenli wartet der Bürgermeister schon auf seine Gäste. Seine Erwartungsfreude teilt das ganze Dorf. Der herzliche Empfang gilt 15 jungen Leuten aus Norddeutschland, die 150 Kilometer südwestlich von Ankara Station machen. Die Flensburger Projektgruppe Ausländische Arbeiterkinder e.V. (AAK) hat den zweiwöchigen Jugendaustausch angeregt. In ihrem Tagebuch schreiben die Reisenden an dieser Stelle von einer "Zeitreise" und bewundern, "wie diese Menschen in ihren einfachen Lebensumständen zufrieden sein können". Die Bewohner des Dorfes freuen sich über Besuch, geben, was sie haben, und sei es noch so wenig.
Das war im Oktober. Doch das Schicksal von drei Waisenkindern aus Mahzenli hallt nach. Die Mutter von Zehra, Ibrahim und Efile ist gestorben, der Vater hat die Familie verlassen. Die Großmutter kümmert sich um die Kinder. Das Dorf versucht zu helfen. Nun bemühen sich auch einige Flensburger darum, den Kleinen zumindest den Weg zur Schule zu ebnen. 100 Euro koste eine gute Schulbildung im Jahr für ein Kind. "Wenn wir die Möglichkeit zu helfen haben, würde es mit dem Teufel zugehen, sie nicht zu nutzen", meint Kai Schröder, der Leiter des AAK.
So grübelten die Kollegen, wie sie mit Teilnehmern ihres Deutschkurses eine sprudelnde Geldquelle erschließen können. "Lass uns irgendetwas machen, was die Frauen können und ihnen Spaß macht", lautete die Devise. Damit schlug die Geburtsstunde für das Kochbuch " L.O.S.es Mundwerk".
Innerhalb dieser Abkürzung verbirgt sich irgendwo "Lokales Kapital für soziale Zwecke". Mit bis zu 10000 Euro unterstützen das Bundesfamilienministerium und die Europäische Union nun im dritten Jahr Projekte, von denen benachteiligte Menschen in der Neustadt profitieren.
Der Titel des Kochbuchs deutet schon daraufhin, dass die Köchinnen gern plaudern und kochen und ganz nebenbei Deutsch lernen. Tatari Ferzida hat mitgemischt. Die 34-Jährige kommt aus dem Kosovo und lebt mit drei Kindern und ihrem Ehemann seit über drei Jahren im Norden Flensburgs. Die deutsche Sprache fällt ihr noch immer schwer, aber den Schwärmereien ihrer Kleinen zufolge, ist sie eine begnadete Köchin. Der neunjährigen Aida "schmeckt alles gut", was es zu Hause gibt. Tatari Ferzida gehörte zum Grüppchen von fünf Frauen aus dem Irak und der Türkei, die gemeinsam einkauften, Rezepte aus ihrer Heimat in die Tat umsetzten und die Kompositionen schließlich im Bilde festhielten. Die schüchterne Frau erklärt, dass viele jugoslawische Gerichte sich nur vom Namen nach von türkischen Pitas und Kebabs unterscheiden. Nicht jedoch im köstlichen Geschmack.
"Eine Art Gemüsefrikadelle" aus Bulgur ist Kai Schröders Lieblingsgericht. "Die schmeckt einfach irre", empfiehlt er. Garniert werden pikante, vertraute und originelle Hauptgerichte mit Vorspeisen wie Möhrensalat und Tsaziki und versüßt mit Zwiebacktorte als Dessert. Von 300 Büchern fürs leibliche Wohl und zum Wohl von Zehra, Ibrahim und Efile - für fünf Euro bei Rüffer erhältlich - gingen die ersten 30 weg wie frisches Fladenbrot.
